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Autorenlesung Dominik Forster

Dominik Forster

„Ich war wie eine Rakete“
Mit diesem Vergleich beschreibt Dominik Forster bei der Autorenlesung in der Mittelschule Baunach seine Drogensucht und seinen totalen Absturz
Dominik Forster, ehemaliger Drogenkonsument und Drogendealer aus Nürnberg, hat sich zur Aufgabe gemacht, Jugendliche über Drogenmissbrauch und die daraus resultierenden verheerenden Folgen für Körper und Geist zu informieren. Deshalb besucht er regelmäßig Schulen, um aus seinem autobiografischen Roman „Crystal klar“ vorzulesen und Aufklärungsarbeit zu betreiben. Am 06.10.2017 war er zu Gast in der Mittelschule Baunach und beschrieb provokativ vor 89 Schülern der 8. bis 10. Klassen seine „Drogenkarriere“. Dabei nahm er sich kein Blatt vor den Mund. Zunächst informierte er über die verschiedenen Drogenarten und deren Wirkung. Die Drogen wie zum Beispiel LSD oder Pilze zählen zu den Halluzinogenen. Diese verändern die Wahrnehmung und führen zu Wahnvorstellungen. „Du kannst auf Reisen gehen, ohne Koffer zu packen. Am Ende der Reise sitzt du aber in der Gummizelle und versuchst, aus Papierschnipsel ein Atomkraftwerk zu bauen“. Mit diesen Worten veranschaulichte der Autor den Schülern eindrucksvoll die Auswirkungen des Drogenkonsums auf die Psyche. Anschließend beschrieb er sein Leben. Dabei erfuhren die Schüler, dass er mit einem alkoholabhängigen Vater und einer tablettensüchtigen Mutter aufwuchs. Immer wieder gab es zwischen seinen Eltern Streit. Dies musste er als Sechsjähriger miterleben und aushalten. In seiner Familie fand er somit keinen Halt und keine Orientierung. Auch in der Schule lief es für ihn nicht gut. Er wurde an einer Brennpunktschule in Nürnberg gemobbt und von seinen Mitschülern verprügelt. Daher nahm er sich fest vor, der Coolste zu werden. Dies hieß aber für ihn, mit dem Rauchen und Trinken zu beginnen, um einfach dazuzugehören. Als sein Lieblingskumpel ihm auch noch ein „weißes Tütchen“ anbot, fand er den Weg zu den Drogen und begann seine „Drogenkarriere“. Er erzählte mit ausdrucksstarken Worten sehr anschaulich, wie sich sein Leben daraufhin weiterentwickelte. „Man braucht immer mehr Drogen, deshalb hatte ich auch die Idee, zu dealen. Bis zu 3000 € habe ich am Tag verdient. Das war aber schnell wieder weg, da ich immer mehr Drogen gekauft habe. Nichts Anderes war mir mehr wichtig.“ Trotz vieler Drogen – „alle 10 Minuten habe ich Drogen konsumiert“ – kam das Hochgefühl nicht mehr auf. Es wurde immer schlimmer. Die Drogen ließen ihn nicht mehr schlafen, er war bis zu 13 Tage wach und schnitt sich unter Crystal-Meth-Einfluss mit einem Messer sogar „Käfer“ aus dem Körper. Dominik Forster spielte mit seinem Leben, das er mit einem Raketenflug verglich: „Ich war wie eine Rakete, die immer höher und höher hinausfliegen wollte. Aber egal wie groß und teuer eine Rakete auch ist, sie wird explodieren. Ich bin dann wieder wertlos und zerstört auf den Boden geknallt.“ Dann verbrachte Dominik Forster insgesamt 912 Tage in verschiedenen Hafteinrichtungen. Es war für ihn die Hölle. Er beschrieb seine dramatischen Erlebnisse im Jugendknast und seine ständige Angst, Opfer seiner Mitinsassen zu werden. Durch Therapie und Entzug konnte er seinem alten Leben, das unter ständigem Drogeneinfluss stand, den Rücken kehren. „Seit acht Jahren bin ich clean, süchtig bleibt man aber immer. Mit den fünf Jahren meines Drogenkonsums habe ich mir 30 Jahre meines Lebens genommen.“ Dominik Forster wird immer mit den gesundheitlichen Folgeschäden seines fünfjährigen Drogenkonsums zu kämpfen haben. „Heute bin ich aber angekommen und kann anderen helfen.“ Mit diesen Worten beendete Dominik Forster seine Autorenlesung in der Mittelschule Baunach. In der abschließenden Diskussionsrunde kamen die Schüler mit dem Autor ins Gespräch und konnten so ihre persönlichen Fragen stellen. An dieser Stelle möchte ich mich bei Herrn Forster und Frau Gräbe von der Leseinsel in Ebern bedanken, die diese Autorenlesung und Suchtprävention erst ermöglichten. Mein Dank gilt aber auch den Schülern, die zwei Stunden lang sehr aufmerksam und interessiert den Erzählungen des Autors folgten und sich in die Diskussionsrunde einbrachten. Rosanna Mühlbach-Griebel