Realverkehr
20/07/2018
1000 Euro für Schulprojekt
26/07/2018

Herr Wild verabschiedet sich

Für mich ist es Zeit zu gehen … ich mach mich auf zu neuen Horizonten …

Liebe Schülerinnen, liebe Schüler, liebe Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen

Ich habe es hinter mir – das Arbeitsleben. Für mich doch ein besonderer Moment inne zu halten mit einem lachenden und auch mit einem weinen-den Auge. Was bleibt am Ende eines mehr als 40 jährigen Berufslebens?
Zunächst gilt es Danke zu sagen, meinem Kollegium, den Eltern und auch euch liebe Schülerinnen und Schülern, die ich in den vergangenen Jahren begleiten konnte.

Wenn es mir vielleicht bis jetzt nicht so deutlich war, so weiß ich doch heute, dass der kommende Ruhestand nicht einfach nur das Ende des Berufslebens ist, sondern eigentlich vielmehr die Krönung des Be-rufslebens bedeutet, wenn gleich hier schon Wehmut aufkommt.


Es bleiben stets die Erinnerungen an die vielen Jahre eines sehr bewegten Lehrerlebens. Wichtig war mir, trotz mancher schulischen Umbrüche, die vielen schulpolitischen Richtungswechsel, die zahlreichen didaktischen und pädagogischen Experimente, die dem Schulwesen beschert worden sind, sich dennoch als Lehrer und Schulleiter treu zu bleiben und zugleich Kolle-gium und Schülern gerecht zu werden.

Aristoteles und Sokrates, beide griechische Philosophen, haben vor mehr als 2000 Jahren zwei Zitate formuliert:
„Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“
Oder:
„Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft … Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.“
Stellt sich die Frage: Hat sich an diesen (Vor)urteilen bis heute irgendetwas geändert? Vordergründig könnte das man so sehen. Meine Sichtweise war es nie! DENN - die Zukunft ist immer wieder von dieser Jugend gemeistert worden!
Als Lehrer und als Schulleiter habe ich versucht, mir dies immer wieder vor Augen zu führen. Jeden Tag, wenn ich mich auf den Weg zur Schule machte. Immer wieder!. Schule, Erziehung und Unterricht waren für mich daher stets eine Herausforderung, eine spannende, interessante und immer neue Aufgabe zugleich, bei der nicht die Noten im Vordergrund stehen sollten, sondern die Schüler selbst.
Sagen möchte ich einfach, dass ich gerne Lehrer und Schulleiter war, wenn auch die Anforderungen des Lehreralltags manchmal durchaus wider-sprüchlich sind und waren. Dies lässt sich ganz gut in einer Berufsbe-schreibung für Lehrer beschreiben, wie sie in der Züricher Weltwoche ein-mal formuliert wurde:
„Der Lehrer hat die Aufgabe, eine Wandergruppe mit Spitzensportlern und Behinderten bei Nebel durch unwegsames Gelände in nord-südlicher Richtung zu führen, und zwar so, dass alle bei bester Laune und möglichst gleichzeitig an drei verschiedenen Zielorten ankommen.“
Diese Aufgabe werde ich nun nicht mehr nachkommen. Bald habe ich ja erstmal länger schulfrei. Ich werde einen neuen Lebensabschnitt beginnen und mich auf den Weg aufmachen, neue Horizonte zu finden. Mein Berufsweg neigt sich dem Ende zu. Ich wusste aber schon immer, was ich an euch Schülerinnen und Schüler hatte, mein Kollegium möchte ich da ausdrücklich mit einschließen.
Ob es für meine Familie von Vorteil ist, wenn ich künftig nicht mehr in die Schule gehe, weiß ich nicht. Mit fehlt schlichtweg die einschlägige Erfahrung.
Häufig habe ich schon im Vorfeld beschäftigungstherapeutische Ideen für die Zeit nach der Schule hin- und hergewälzt, Pläne entworfen, wie ich mich als Ruheständler für die Zeit danach sozialisieren kann. Aber meine Familie, meine Enkelkinder, meine Hobbies werden das schon richten. Und plötzlich weißt du:
„Es ist Zeit etwas Neues zu beginnen!“


Eines weiß aber auch, dass die Schule, mit allem was dazu gehört, mir sicherlich fehlen wird und ich vor allem die Menschen, mit denen ich immer gerne zusammen war, vermissen werde.
Mit herzlichen Grüßen
Euer Michael Wild